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DIE FICHTLMEIER-Hundeschule (2): Locker an der Leine Das ist nicht so einfach, weder für den Hund noch für den Hundeführer. Fängt der Hund an zu ziehen, zerrt ihn sein Herr unwirsch zu sich heran. Ein Teufelskreis: Denn jetzt beginnt der Hund, die Nähe seines Herrn zu meiden. Anton Fichtlmeier zeigt, wie man dem Hund Standruhe und „Bei Fuß“ an der Leine beibringt – ohne dass er sich entzieht.
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| Vorsichtig: Der Hund muss lernen, dass er sich nach seinem Herrn zu richten hat. Ist die Leinen-Situation neu, springt der Hund umher und zeigt damit auch seine Unsicherheit. Der Hundeführer bleibt ruhig und agiert vorsichtig mit der Leine. Er bleibt stehen und holt sich den Hund sanft heran. |
Die junge Foxterrier-Hündin Emma ist wie ein Wirbelwind. Aber im Moment ist sie frustriert und verärgert, denn: Sie ist an der Leine. Dabei kennt sie nur ein Ziel: Freiheit! Aber Emma muss lernen, diese für sie neue Situation einzuordnen. Sie muss lernen, dass die Leine angenehm ist. Doch wie soll der Hund verstehen, dass ich mit Hilfe der Leine mit ihr kommunizieren will? Dass ich ihr durch die Leine Signale gebe, die sie richtig „beantworten“ soll? Nun, ich kann Emma – wie auf der Bildfolge zu sehen – auf den richtigen Weg bringen. Dazu braucht man nur ein wenig Geduld und Konsequenz.
Bei meinen Hundekursen stelle ich immer die Frage: „Wozu dient Ihrer Ansicht nach die Leine?“ Über 90 Prozent sagen: „Um den Hund halten zu können.“ Damit gibt man der Leine aber ein negatives Symbol. Sieht der Hund die Leine, könnte er denken: „Ich soll angeleint und festgehalten werden.“ Kein Wunder, dass viele Hunde, wenn sie die Leine sehen, einen großen Bogen um ihren Hundeführer machen.
Macht man die Leine stattdessen zu einem positiven Symbol, wird sich der Hund freudig anleinen lassen. Er muss lernen, der Leine zu vertrauen. Und dabei lernt er, dass die unmittelbare Nähe zum Hundeführer gut ist, dass sie zusammen ein Team sind.
Kann der Hund meinen Leinen- und den daran gekoppelten Körpersignalen vertrauen, wird er auch bald ohne Leine nicht misstrauisch reagieren und brav „Bei Fuß“ laufen. Gute Hundeführer versuchen, negative Erlebnisse am Schweißriemen zu vermeiden, damit sie dem Hund die Arbeitsfreude nicht verleiden.
Es ist doch hinterhältig, einen Hund über freundliche Gesten anzuleinen, um dann über Gewalt seinen Gehorsam zu erzwingen. Läuft der angeleinte Hund dicht bei mir, wird er durch Ziehen, Rucken und Strafen den Beziehungskonflikt noch intensiver empfinden. Sobald der Hund unangeleint ist, wird er – logischerweise – die Distanz zum Führer vergrößern.
Er lernt, ihn zu meiden, er lernt, dass alles andere schöner ist, als den Hundeführer „am Hals zu haben“.
Nicht auf die Ebene des Hundes Zurück in die Praxis, zu Emma, unserem kleinen Wirbelwind. Die Terrier-Hündin versucht immer noch, die „Leinen-Situation“ mit Kampf zu lösen, sie will sich durchsetzen. Aber das gibt es nicht. Ich zerre und rucke erst gar nicht an der Leine, begebe mich also gar nicht auf ihre „Kampf-Ebene“, sondern bleibe einfach stehen. Sie soll lernen, dass Ruhe ist, sobald ich stehe. Sie soll lernen, sich neben mich zu setzen und zu warten. Später werde ich dann mit dem Hund bei der Pirsch im Revier keine Probleme haben. Wenn ich mit ihm dann an der Leine marschiere oder ihn bei Fuß laufen lasse, weiß der Hund: Wenn der Hundeführer stehen bleibt, muss ich neben ihm sitzen bleiben.
Emma merkt also, dass Kämpfen keinen Sinn macht. Ich ziehe sie sanft mit der Leine an mich heran und halte sie sehr kurz am etwas hochgezogenen, gespannten Riemen. Sie weiß nicht, was sie machen soll, probiert weiter aus, zieht und zerrt. Es hat keinen Sinn, ich halte die Leine unverändert kurz. Schließlich, nach einer Weile, setzt sie sich hin – sie hört auf zu kämpfen. Darauf habe ich gewartet.
Sie hat die Lösung von allein gefunden. Exakt in diesem Moment lockere ich die Leine, lasse sie zu Boden fallen, und mein Körper entspannt sich: „So brav.“ Der Hund verknüpft: „Wir beide entspannen uns.“ Und: „Die Leine ist locker, das ist angenehm.“ Ich bleibe noch einige Zeit stehen. Sobald sie wieder anfängt zu „diskutieren“, also zu zerren, spanne ich den Riemen. Ich lasse nicht mit mir diskutieren, und schaue den Hund auch nicht an. Mein Körper verhält sich wie die Leine. Spannt sich die Leine, spannt sich der Körper. Emma merkt bald: „Leine gibt nicht nach, Körper gibt nicht nach.“ Und nun?
Emma setzt sich wieder hin, weil sie gelernt hat, dass es keinen Sinn macht zu kämpfen. Sie nimmt selbst die Spannung aus der Leine, setzt sich, und der Riemen wird von mir sofort wieder gelockert. Ich habe damit einen Präzedenzfall geschaffen, einen Musterfall, der für ähnlich gelagerte Situationen für den Hund richtungweisend ist.
Die Leine wird also als Signal für Ruhe benutzt und verhindert sekundär ein sich Entziehen des Hundes. Sie stellt ein direktes Band vom Führer zum Hund dar und wird später bei „Bei Fuß“ durch vertraute Körpersignale ersetzt.
Und los geht’s... Nachdem Emma ihre Sitzposition akzeptiert hat, setze ich mich mit einer deutlichen Jetzt-geht-es-los-Geste in Bewegung, wobei Emma jetzt lernen soll: „Wo Fichtlmeier geht, ist vorne!“ Sobald mich die Hündin überholt, drehe ich schon in die Gegenrichtung und bleibe wieder stehen. Dabei hole ich sanft die Leine ein und bringe den Hund ins Sitz.
Emma wird gelobt und mit Leckerbissen genossen gemacht. Sie hat gelernt: Leine am Boden heißt: „Gut, Ruhe, Bleiben“, bis ein Signal vom Hundeführer kommt und der Weg fortgesetzt wird.
Jetzt kann ich ein „Bleib“ erarbeiten. Dazu lege ich die Leine auf die Erde, was ja heißt: „Nicht weggehen“. Gleichzeitig lege ich Jacke, Rucksack oder Hut zum sitzenden Hund – ein zweites Symbol. Dann gehe ich von Emma weg, zeige ihr durch Geste, also erhobene Hand, ein „Bleib“.
Ich entferne mich anfangs noch nicht allzu weit von dem Hund. Emma beobachtet mich. Ich schaue möglichst nur aus den Augenwinkeln zu ihr, bücke mich und tue so, als würde ich einen Anschuss kontrollieren. Bewegt sich der Hund von dem Platz weg, gehe ich zu ihm, nehme wortlos das Ende der Leine auf und ziehe den Hund, ohne ihn anzusehen, mit energisch gesprochenem „Nein“, „Nein“, „Nein“ konsequent zum Ausgangspunkt zurück.
Dort bringe ich ihn durch Straffen und Nach-oben-Ziehen der Leine wortlos ins Sitz, lasse dann die Leine fallen und gehe wieder. Der Hund darf sich ruhig aufrichten, aber nicht von der Stelle bewegen. War der Hund brav, bekommt er Futter, wenn ich zurück bin.
Hole ich den Hund ab, achte ich außerdem darauf, dass er ruhig ist. Würde er nämlich Laut geben oder winseln, wenn ich näher komme, könnte er verknüpfen: „Ich gebe Laut oder springe auf und damit kommst du!“
Das Hinterherzerren der Hunde durch Stangenholz lehne ich übrigens ab. Der Hund hat viel zu wenig Zeit „mitzudenken.“ Es verunsichert ihn nur und löst eher Kampfreaktionen aus. Ich helfe dem Hund stattdessen durch deutliche Körpersignale.
Auch hier sollte der Hund wieder Zeit zum „Mitdenken“ haben. Ist Emma auf dem falschen Weg, bleibe ich stehen und halte die Leine unter Spannung. Schlägt die Hündin den richtigen Weg ein, mit einem lobenden „Ja“ und „So brav“ den Hund bestärken und weitergehen.
Der Hund wird die Leine und die Nähe zum Hundeführer bald als angenehm empfinden. Eine wichtige Voraussetzung für freies „Bei-Fuß“-Gehen und die Pirsch durchs Revier.
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